300 JAHRE MARIA THERESIA


„Mach er mir tüchtige Officirs und rechtschaffene Männer darauß“


11 05 2017

So lautete der 1752 erteilte Auftrag der „Kaiserin" Maria Theresia, die regierende Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen, an den ersten Kommandanten der Militärakademie in Wiener Neustadt, Feldmarschall Leopold Graf Daun.

Am 14. Dezember 1751 gab Maria Theresia den visionären Auftrag zur Gründung einer Offiziersausbildungsstätte für 200 Zöglinge im Alter von 14 bis 19 Jahren. Damit wurde die Wiener Neustädter Burg, wenn auch mit Unterbrechungen, der bis heute gültigen Nutzung zugeführt.

Aus den Niederlagen der österreichischen Truppen in militärischen Auseinandersetzungen mit jenen von Friedrich II. von Preußen im Erbfolgekrieg, hatte Maria Theresia die Notwendigkeit zu einer fundierten Ausbildung ihrer militärischen Führungskräfte abgeleitet.

Gleichzeitig wurde zur Heranbildung des militärischen Nachwuchses die „Militärische Pflanzschule" für 100, später 200 Söhne armer, adeliger Offiziere im Alter von 7 bis 13 Jahren in Wien eröffnet. Mit der Ausbildung an der Militärakademie wurde im November 1752 unter der Führung Dauns begonnen. Das Ziel dieser Stiftung war die möglichst rasche Ausbildung von einsatzfähigen Offizieren. Aus diesem Grund lag das Schwergewicht in der praktischen Ausbildung wie dem Exerzieren, Fechten und Reiten. Darüber hinaus wurden die theoretischen Fächer Festungsbau, Arithmetik, Geographie sowie die französische, italienische und die böhmische Sprache vermittelt. Im Jahr 1755 erfolgte dann die erste Ausmusterung aus der Wiener Neustädter Akademie.

Zum Jahreswechsel 1767/68 ordnete Maria Theresia zunächst die Finanzierung durch die Stände des Landes Österreichs unter der Enns an und bestimmte den Betrag der finanziellen Ausstattung für ihre Bildungseinrichtung.
Die ursprünglichen Pläne der Übersiedelung nach Wien wurden mit der Vereinigung und der Übersiedelung der Wiener Pflanzschule nach Wiener Neustadt wieder verworfen. Diese 1769 neu geschaffene Institution in Wiener Neustadt, für nunmehr 400 Zöglinge, erhielt den Namen „Theresianische Militärakademie".

Ab 16. Juni 1779 wurde Franz Graf Kinsky zunächst bis 1785 als Lokal- und anschließend bis 1805 als Oberdirektor an der Theresianischen Militärakademie wirksam. Graf Kinsky hatte sich schon zuvor mit pädagogischen Fragen sowie der theoretischen Truppenausbildung befasst. Im Auftrag der Kaiserin unternahm er unter anderem Studienreisen nach Stuttgart und in die Schweiz, um das dortige Ausbildungswesen, insbesondere jenes der Stuttgarter Karlsschule, zu studieren.

Die Erkenntnisse der Studienreisen Kinskys flossen in die Reform der Offiziersausbildung in Österreich ein. Neben der Beibehaltung der bisherigen militärischen Ausbildung wurde fortan großer Wert auf historische Bildung, die Darstellung von Waffentaten und Biografien von erfolgreichen Feldherren als erstrebenswerte Vorbilder gelegt sowie das patriotische Denken bzw. die Treue zum Kaiserhaus und die Formaldisziplin besonders gefördert. Darüber hinaus wurde vor allem die Körperausbildung zur physischen und psychischen Erziehung sehr stark betont.

Die Kaiserin stiftete 1757, nach dem Sieg von Feldmarschall Graf Daun über Friedrich II. von Preußen bei Kolin, den Militär-Maria-Theresien-Orden, eine der ältesten militärischen Auszeichnungen weltweit. Nur ganz besonders hervorragende und in ihren Folgen weitreichende Taten in Kampf und Führung wurden damit ausgezeichnet. Entscheidend war, dass über die Norm bzw. Pflicht hinausgehende Leistungen erbracht wurden, die ohne Folgen hätte unterlassen werden können, aber dennoch unternommen wurden. Im Prinzip der ‚Auftragstaktik' bei der Erfüllung militärischer Aufträge wurde dieses Prinzip im Österreichischen Bundesheer implementiert.

Das Erbe Maria Theresias

Das visionäre Wirken der Gründerin und ihrer Offiziere beeinflusst auch heute noch das Handeln an der Theresianischen Militärakademie, der Offiziersausbildungsstätte für das Österreichische Bundesheer, wie an folgend angeführten Beispielen nachvollziehbar wird:

Die Offiziersausbildung setzt sich aus dem Fachhochschul-Bachelorstudiengang Militärische Führung, einem sechs Semester umfassenden, international anerkannten Vollzeitstudium sowie der Führungsausbildung zusammen. Im Rahmen der Ausbildung werden jene Führungskompetenzen und Qualifikationen im gewählten Fachbereich bzw. der Waffengattung vermittelt, welche für die Auftragserfüllung im nationalen oder internationalen Verbund für eine mögliche Erstverwendung erforderlich sind.

Die zeitgemäß interpretierten „Statuten des löblichen Maria Theresien-Ordens" sind das Leitbild für die angehenden militärischen Führungskräfte bzw. das Lehr- und Forschungspersonal der Theresianischen Militärakademie.

Die heutige Ausbildung der Offiziere und Führungskräfte wird daher durch das „Theresianische Führungsmodell" bestimmt und geprägt. Das „Theresianische Führungsmodell" ist der zeitgemäß interpretierte Auftrag der Gründerin: „Mach er mir physisch und mental starke sowie interkulturell kompetente Offiziere, die sich beim Führungshandeln ihrer Vorbildwirkung und Tiefe der Verantwortung bewusst sind."

Die Realisierung und Weiterentwicklung der Visionen der Gründerin hat die Theresianische Militärakademie einerseits zum Trendsetter in der europäischen Offiziersausbildung gemacht. Andererseits ist die Theresianische Militärakademie gerade darum ein gefragter Partner für Forschungs- und Entwicklungsprojekte auf europäischer Ebene sowie den Lehrenden- und Studierendenaustausch im Rahmen von Erasmus.
 
„Visionen sind die Leitbilder der Gegenwart und sie verändern die Zukunft." (Rainer J. Stawski)

Die Theresianische Militärakademie begeht den 300. Geburtstag Maria Theresias mit mehreren Veranstaltungen.
Den Auftakt bildet das Symposium mit dem Titel „Treu bis in den Tod?" am 6. April 2017. Bei diesem Symposium werden die unterschiedlichen Facetten der Treue von Expertinnen und Experten beleuchtet.

Der Höhepunkt zu diesem Jubiläum an der Theresianischen Militärakademie findet am 3. Mai 2017 statt. Zunächst stehen die umfangreichen Reformen Maria Theresias im Mittelpunkt einer prominent besetzten Diskussionsrunde. Anschließend daran berichten namhafte Absolventen der Theresianischen Militärakademie über die Anwendbarkeit der absolvierten Führungsausbildung inner- und außerhalb des Österreichischen Bundesheeres. Den Abschluss der Feierlichkeiten bildet ein Konzert in der Georgs Kathedrale an der Burg.

Darüber hinaus begehen die Theresianische Akademie, die Diplomatische Akademie und die Theresianische Militärakademie am Donnerstag den 11. Mai 2017 gemeinsam den 300. Geburtstag ihrer Gründerin Maria Theresia.

Ihr zu Ehren wird ab 1500 Uhr ein öffentlich zugängiger Festakt mit der Gardemusik Wien und mit diversen Festeinlagen auf dem Maria Theresien-Platz in Wien stattfinden.
Die Theresianische Militärakademie wirkt an dieser Veranstaltung mit und wird mit Offizieren, Offiziersanwärterinnen und Offiziersanwärtern sowie der Absolventenvereinigung "Alt Neustadt" vertreten sein.
Videoclip: " MT 300 Spot"

 
[Inhalt: Mag. (FH) Michael Moser, Major; Foto: © ÖBH Gerhard Hammler,TherMilAk]